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Die versunkene Glocke von Drolshagen

Die Kirche St. Clemens in Drolshagen wurde bei der Gründung des Zisterzienserklosters 1235 zu einer großen Basilika ohne Turm ausgebaut. Um diesen materiellen Ausdruck religiöser Frömmigkeit rankt sich eine mahnende Sage um die Macht des Bösen.

Der Teufel stand einmal auf dem Papenberge und sah auf Drolshagen nieder. „Mein liebes Städchen“, rief er, „dass du so schmuck und blank zwischen Berg und Tal gelegen bist, wie habe ich dich stets so gern gehabt. An allen Ecken stand ein Wirtshaus, in dem alles, Jung und Alt, trank. Nun sind die Drolshagener mit einmal fromm geworden: die Gräfin lässt eine Kirche bauen. Und was sehe ich? Eine Menschenmenge steht vor dem Kirchturm und gerade zieht man eine neue Glocke herauf! Das kann ich gar nicht ertragen.“

Als nun der Küster von St. Clemens am Seil der noch ungeweihten Glocke zog und diese hell erklang, schnaufte der Teufel und ein Sausen und Brausen ging durch die Luft. Er reckte und streckte sich und stand schließlich mit glühenden Augen auf dem Turm. Die Männer standen starr vor Schreck, die Frauen fielen in Ohnmacht, die Kinder jammerten und weinten. Alles rief: „Teufel verschone uns!“ Der aber trat gegen die Turmmauer, dass sie mit lautem Krach zerbrach, griff sich die Glocke und verschwand.

Wenn an den hohen Feiertagen zu Ostern oder zu Weihnachten die Menschen sich an dem schönen Klang des Glockenwerks erfreuen wollen, klingt aus der Tiefe der dumpfe Klang der ungeweihten Glocke vom Clemensturm.

Die Sage kann auch als Erklärungsversuch für die lange Abwesenheit eines Turmes (1235-1491) gedeutet werden.

Literatur:
Groeteken, Friedrich Albert: Die Sagen des Sauerlandes. Die Volkssagen des kölnischen Sauerlandes, Dortmund 1921.

Text: Irene Rumpler M.A.

 

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